sanders ultimate rally raid portugal 2026 prologue

Heute startete in Portugal die BP Ultimate Rallye als zweiter Lauf der Rallye Raid WM 2026. Das Rennen ist die erste Chance für Honda nach der Schmach erlitten im Finale der Rallye Dakar. Für Weltmeister Daniel Sanders können die nächsten Tage gar nicht schlammig genug werden. Aber zunächst gewinnt der Titelverteidiger bei besten Bedingungen den kurz gehaltenen Prolog.

Die Route führt in den kommenden Tagen vom Startort Grandola bis nach Loulé an der Algarve. Auf einer Gesamtdistanz von 2.201 Kilomter sind 1.269 als Wertungsprüfung zu absolvieren - verteilt auf fünf Etappen. Gefahren wird teilweise auch jenseits der Grenze in Spanien.

Honda-Pilot Ricky Brabec hat die Dakar im Januar mit dem knappsten aller Abstände verloren (+2 Sek.). Der US Profi verspielte auf der Schlussetappe einen Vorsprung von mehr als drei Minuten, und so jubelte am Ende KTM-Ass Luciano Benavides. Brabec beurteilt seine Optionen auf eine erfolgreiche Revanche als begrenzt. Da ist die Wettervorhersage, die Regen verspricht, aber auch das Terrain, das dem Wüstenspezialisten nicht in die Karten spielt.

Sanders als ehemaliger Endurofahrer dagegen kann es nicht nass genug werden. Dakarsieger Benavides ist nach einer Meniskusoperation noch nicht bei 100 Prozent. Und dann ist da noch der Sieger von 2024, Tosha Schareina, für den das Event ein halbes Heimspiel bedeutet.

Sanders legt vor

Fürs Erste sind die Abstände nach nur rund drei Minuten Prolog marginal. Die Top 10 liegen innerhalb von acht Sekunden, hinter Sanders rangieren auch prompt Schareina und Brabec. Richtig zur Sache geht es am Mittwoch mit einer Wertungsprüfung über 215 km rund um Grandola.

Auch mit dem Hero-Duo Ross Branch und José Cornejo ist dann zu rechnen. Honda schickt neben Brabec und Schareina auch den Portugiesen Martim Ventura sowie Adrien van Beveren aussichtsreich ins Rennen. 45 Teilnehmer sind in der Motorradkategorie dabei.

Vor dem Start gaben die Fahrer interessante Einblicke über ihre Fitness und ihren Gemütszustand.

Luciano Benavides: "Ich fühle mich auf allen Böden gut. Im Moment habe ich auf Sand noch etwas Probleme, weil mein linkes Knie immer noch schmerzt, aber es gibt viele Strecken in meiner Heimat, und genau dieses Terrain liebe ich. Letztes Jahr hatte ich gegen Daniel und Tosha keine Chance. Mein Hinterreifen war nach 100 km völlig abgefahren, und ich war von da an nur noch im Überlebensmodus. Aber mit dem richtigen Reifen erwarte ich dieses Jahr ein starkes Tempo, wie ich es bereits in Andalusien gezeigt habe. Ihr habt mein wahres Gesicht hier noch nicht gesehen. Wenn die Strecken rutschig, aber trocken sind, ist das perfekt. Wenn sie matschig sind, werde ich mir zweimal überlegen, ob ich mein Bein ausstrecke. Wie gesagt, ich bin noch nicht ganz bei 100 Prozent. Mir wurde vor einem Monat ein Teil des Meniskus entfernt, und ich werde mich später um das Band kümmern. Auf jeden Fall war mein Dakar-Sieg ein echter Motivationsschub."

Daniel Sanders: "Die Schulter ist in Ordnung. Es war ein glatter Bruch, und mein Chirurg in Australien ist wirklich gut. Er hat sie operiert, als ich wieder zu Hause war, was wichtig war, um mich für dieses Event schneller zu erholen. Ich hatte also vier Wochen Pause vom Motorradfahren und Training, weil ich mir auch noch einen schweren Muskelriss im Bein zugezogen hatte. Ich hatte einen 7 cm langen Riss, was die letzten beiden Renntage [bei der Dakar] echt hart gemacht hat, weil es jeden Tag schlimmer wurde und ich mich am Motorrad festhalten musste. Wir haben also versucht, ein bisschen zu fahren, und in den letzten zwei Wochen vor dem Rennen in Übersee haben wir auch trainiert, was eigentlich richtig gut war. Körperlich bin ich noch nicht bei 100 Prozent, aber bei der Dakar war ich das auch nicht. Es reicht, um hier dabei zu sein, und man muss hier nicht super stark sein."

"Die Kurvengeschwindigkeit ist wirklich wichtig. Dieses Jahr wird es etwas anders sein, da es nasser ist und vielleicht auch Regen kommt. Ich denke, das kommt den Enduro-Fahrern, die das mögen, eher entgegen. Mein Traum ist es, ein richtiges Schlammrennen zu erleben. Das war schon immer mein Traum. Ich glaube aber nicht, dass wir hier eine richtige Schlammschlacht bekommen werden. Meine Stärke liegt im Enduro, wo ich bei Nässe und auf diesem Terrain richtig gut zurechtkomme. Das Gelände, wo ich wohne, ist das rutschigste, das ich kenne, und selbst da komme ich gut zurecht. Ich bin damit aufgewachsen, Motorradfahren zu lernen, und genau da habe ich meine gute Traktionskontrolle entwickelt, was mir natürlich hilft. Ich denke, es wird trotzdem ein enges Rennen."

Ricky Brabec: "Ich werde wohl mein Leben lang an diese zwei Sekunden bei der Dakar denken. Ich muss damit leben. Nach der Dakar hatte ich gar keine Lust mehr aufs Motorradfahren. Jetzt können wir nur noch unser Bestes geben und versuchen, positiv zu bleiben. Ja, ich meine, das Rennen ist gar nicht so schlecht. Es ist nur, na ja, nicht so mein Ding, oder? Ich bin es einfach nicht gewohnt. Ich muss definitiv besser werden und mich da schnell reinfuchsen. Und, wissen Sie, viele Leute hier sind schnell auf diesen Straßen und super stark, was echt cool ist. Aber zu Hause haben wir das nicht. Zuhause haben wir die offene Wüste. Da können wir glänzen. Aber hier in Portugal sind die Straßen spiegelglatt. Der Wetterbericht sagt für die nächsten Tage Regen voraus."

"Wo ich wohne, regnet es vielleicht einmal im Jahr. Das wird eine ganz andere Herausforderung für uns. Die Meisterschaft ist nicht gerade meine Stärke. Ich war zwar schon drei oder vier Mal Vizeweltmeister, wir waren also immer sehr nah dran. Die Rallye-Weltmeisterschaft hat bei jedem Lauf ein anderes Terrain, und genau das macht sie ja zu einer WM-Serie. Ich werde hier in Portugal einfach mein Bestes geben, versuchen, das Motorrad in Bewegung zu halten und keine dummen Fehler zu machen, die zu einer Verletzung führen könnten. Durch den angekündigten Regen sind die Straßen schon jetzt rutschig, das könnte die Sache noch etwas heikler machen."

Foto: Edo Bauer