
Dramatischer hätte die 48. Rallye Dakar nicht enden können. Luciano Benavides zieht auf den allerletzten der knapp 8.000 Kilometer an Ricky Brabec vorbei, um sich einen noch gestern völlig unmöglichen Sieg zu sichern. Und das mit winzigen zwei Sekunden Vorsprung! Nach der Verletzung von Titelverteidiger Daniel Sanders geht der Gesamtsieg also doch noch an KTM.
Brabec verfährt sich als Leader nur sieben Kilometer vor dem Ziel in Yanbu. Der US Profi verspielt eine Führung von deutlich über drei Minuten und verpasst damit einen dritten Dakarsieg nach 2020 und 2024. Für Honda eine peinliche Last-Minute-Niederlage, und für den erfahreen Brabec bei seiner elften Dakar ein Fauxpas, den man dem erfahrenen Kalifornier niemals zugetraut hätte.
Entsprechend knallen bei KTM nach diesem irren Finale die Korken. Es ist für die Österreicher der vierte Sieg in fünf Jahren (3x KTM, 1x GasGas). Benavides´ älterer Bruder Kevin gewann das Rennen 2021 und 2023.
Luciano Benavides: "Ich habe heute von Anfang bis Ende alles gegeben. Ich habe nie aufgehört zu träumen, nie aufgehört zu glauben. Ich habe meinen Lieben gesagt, dass ich nicht weiß, warum, aber ich hatte einfach das Gefühl, es wäre noch möglich. Auf den letzten drei Kilometern nahm Ricky die falsche Strecke und ich die richtige. Das war ein Hoffnungsschimmer."
"Rein rechnerisch war es heute unmöglich"
"Ich sah, dass er es war und dass er wenden musste, um wieder auf die richtige Linie zu kommen, weil ein Wechsel zwischen den beiden unmöglich war. Ich sah die Chance und nutzte sie. Ich hatte allen vor dem Start gesagt, dass diese Dakar mir gehört. Neun Jahre Dakar und mein erster Sieg. Mein Bruder und ich schreiben Geschichte. Er gewann mit 43 Sekunden Vorsprung und ich mit zwei. Ich glaube, da habe ich ihn geschlagen. Ein Traum wird wahr. Rein rechnerisch war es heute unmöglich, Ricky zu schlagen. Aber gestern auf der Straßenetappe sagte ich mir, dass ich alles richtig gemacht hatte und stark ins Ziel kommen wollte. Alles hat seinen Sinn, und ich glaube, heute war einfach so ein Tag. Zwei Sekunden nach zwei Wochen und 8.000 km, das ist kaum zu glauben."
Der Sieg in der Rally2-Wertung geht an den Slowenen Toni Mulec. Honda-Pilot Preston Campbell wird in diesem Klassement Zweiter. Der Amerikaner ist als Zehnter der beste Rookie der Dakar 2026. Maxi Schek (31.) und Markus Hertlein (68.) schaffen es bei ihrer erstenTeilnahme ins Ziel. Glückwunsch.
Endstand nach 13 Etappen
1. Luciano Benavides, ARG, KTM 49:00:41 Std
2. Ricky Brabec, USA, Honda +0:02 Min
3. Tosha Schareina, SPA, Honda +25:12
4. Skyler Howes, USA, Honda +56:41
5. Daniel Sanders, AUS, KTM +1:03:15
6. Adrien van Beveren, FRA, Honda +1:04:46
7. José Cornejo, CHI, Hero +1:39:50
8. Ross Branch, BWA, Hero +2:49:15
9. Toni Mulec, SLO, KTM 2:57:18
Foto: Edo Bauer



