
Die kommende Rallye Dakar (3.–17. Januar) führt erneut durch Saudi-Arabien mit einer Mischung aus langen Schotter-, Dünen- und Navigationsetappen. Das Wüstenspektakel bildet den Auftakt der Rallye Raid Weltmeisterschaft 2026. Das Sherco TVS Factory Team geht mit einem erfahrenen Trio an den Start. Altmeister Lorenzo Santolino führt das Team bei seiner achten Dakar-Teilnahme an, der 22-Jährige Inder Harrith Noah und der 27-Jährige Südafrikaner Bradley Cox sind die aufstrebenden Talente auf der Sherco 450 SEF Rally.
Der ehemalige Enduro-Juniorenchampion Santolino (Jahrgang 1987) konnte bei der letzten Dakar seinen ersten Etappensieg feiern. Aber der Spanier brach sich im Herbst einen Fußzeh, der musste geschraubt werden, entsprechend wurde seine Vorbereitung eingebremst.
Lorenzo Santolino: "Mein erster Etappensieg bei der Dakar im letzten Jahr war fantastisch. Ich hatte schon viele Jahre an der Rallye teilgenommen und nie damit gerechnet, einen solchen Erfolg zu erringen, da ich mich mehr auf die Gesamtwertung konzentrierte. Aber bei der Dakar 2025 gab es zwei oder drei Etappen, von denen ich wusste, dass ich gut abschneiden kann, also gab ich an diesen Tagen alles. Auf der dritten Etappe sah ich beim Tankstopp, dass ich gut im Rennen lag und in Führung. Deshalb beschleunigte ich in der zweiten Tageshälfte stark und gewann. Das Gefühl war unglaublich – ein Gefühl der Belohnung, Erleichterung und Freude – für alle, die an mich geglaubt haben, mein Team und meine Familie. Es war wirklich wundervoll. Für mich sind diese Etappe und der Tag, an dem ich meine erste Dakar beendete auf dem sechsten Platz in der Gesamtwertung (2021), die beiden schönsten Dakar-Tage."
"Mein Ziel für 2026 bleibt wie gewohnt. Wir haben eine realistische Chance, in die Top 5 der Gesamtwertung zu kommen. Alle Fahrer haben während des Rennens mit Problemen zu kämpfen, aber wenn ich eine reibungslose Dakar erlebe, denke ich, dass ich es schaffen kann. Letztes Jahr fühlte ich mich gut und hatte ein gutes Tempo. Aber auf der achten Etappe, als ich in den Top 10 lag, hatte ich ein Problem mit der Einspritzdüse. Das Motorrad blieb stehen, und ich verlor über eine Stunde mit der Reparatur. Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, auf den Etappen gut abzuschneiden, um in der Gesamtwertung Boden gutzumachen und um diese Top-10-Platzierung zu kämpfen. Später auf einer Dünenetappe hatte ich einen kleinen Riss im Tank von einem Sturz am Vortag, und mir ging einen Kilometer vor dem Ziel der Sprit aus. Das war ein schwieriger Moment. Ich musste das Motorrad durch die Dünen schieben und verlor dadurch zwei Stunden. Nach der Etappe war ich dehydriert und völlig erschöpft."
Der Routinier erwartet, dass die ersten Tage mit dem Fuß schwierig werden, er sieht aber auch Vorteile für sich in der neuen Streckenführung: "Wir werden diese zwei oder drei Tage mit 100 Prozent Dünen nicht haben. Ich liebe Sand, aber das ist nicht mein bestes Terrain. In diesem Sinne kann es gut für mich sein. Ich konnte wirklich nicht so trainieren, wie es eigentlich nötig ist. Zu wissen, wie man mit Problemen umgeht, die man schon hat, ist ein Pluspunkt der inneren Ruhe. Die Erfahrung wird mir helfen, die Situation mit dem Fuß besser zu managen. Vielleicht bin ich weniger aggressiv und spiele meine Karten besser aus mit der Navigation. Ich setze mir keine Ziele. Das Wichtigste ist, Tag für Tag zu sehen, wie ich mich fühle."
Generation U30 - Noah und Cox
Der in Deutschland geborene Harrith Noah gewann 2024 die Rally2-Gesamtwertung der Dakar. Der langjährige Sherco TVS-Pilot bleibt nach seinem Prologcrash und frühen Aus vor zwölf Monaten der Rally2-Kategorie treu. Noah ist der bestplatzierte indische Motorradpilot in der Geschichte der Dakar.
Der Südafrikaner Bradley Cox, Sohn von Offroad-Legende Alfie Cox, geht in seine erste Saison als Werksfahrer. Der Neuzugang im Team Sherco TVS Factory Racing hat bei bisher vier Dakar-Starts zwei Mal das Ziel erreicht. In der Rallye-WM konnte er diese Saison mit zwei Top-10-Ergebnissen überzeugen.
Bradley Cox: "Das wird meine fünfte Dakar, aber es fühlt sich an, als würde ich mich auf meine allererste vorbereiten. Unglaublich, wie die Zeit vergeht. Der größte Unterschied ist dieses Mal natürlich das Team. 2022 war es so aufregend, weil alles unbekannt war und ich nicht wusste, was mich erwartet. Jetzt weiß ich es, und es ist etwas beängstigender. Aber die Vorbereitung bleibt dieselbe."
"Ich fühle mich älter. Die Rallye lässt einen älter fühlen. Man legt so viele Kilometer zurück; man verbringt so viel Zeit damit, nachzudenken und sich dem Unbekannten zu stellen. Aber es ist einfach Erfahrung, und die größte Veränderung ist, dass ich mir selbst mehr Druck mache. Ich habe mir jetzt meinen Traum erfüllt, Werksfahrer zu werden. Früher habe ich immer auf diesen Anruf gewartet, der alles verändern würde. Ich muss mich daran erinnern, das zu tun, was ich kann, und das Motorrad so gut wie möglich zu fahren. Bei der letzten Dakar bin ich in die RallyGP-Kategorie aufgestiegen, und es fühlte sich wirklich so an, als wäre ich ganz oben dabei. Ich bin nicht mehr in der Rally2, wo man um den Sieg kämpft. Jetzt bist du bei den Besten, und jedes Detail zählt. Eine der gelben Startnummern zu tragen, ist etwas Besonderes."



