Wenn Ende September in Zschopau historische Geländemaschinen zum Leben erwachen, wird die Motorradstadt für einige Tage zum internationalen Mittelpunkt des klassischen Endurosports. Vom 29. September bis 3. Oktober 2026 gastiert die 10. FIM Enduro Vintage Trophy im Erzgebirge. Mehr als 450 Fahrer aus 20 Nationen, legendäre Namen des Geländesports und über 40 verschiedene Motorradfabrikate versprechen ein außergewöhnliches Treffen von Motorsportgeschichte und echtem Wettbewerb.
Mehr als 450 Fahrer aus 20 Nationen
Das internationale Starterfeld zeigt, welchen Stellenwert die Vintage Trophy inzwischen besitzt. Insgesamt sind 458 Teilnehmer aus 20 Ländern genannt. Mit 174 Fahrern stellt Deutschland das größte Kontingent, gefolgt von Italien mit 74 und Frankreich mit 39 Teilnehmern. Aus den USA reisen 26 Fahrer an, dazu kommen Starter unter anderem aus Spanien, Tschechien, Polen, Österreich, den Niederlanden, Australien, Großbritannien, Portugal und Kanada.
Dabei geht es keineswegs nur um eine gemütliche Ausfahrt mit historischen Motorrädern. Die FIM Enduro Vintage Trophy ist ein internationaler Mannschaftswettbewerb mit hochkarätiger Besetzung. Insgesamt sind 17 Trophy-Teams, 48 Silbervasen-Mannschaften und 65 Clubteams gemeldet.

Titelverteidiger Deutschland (v.l. Uwe Weber (MZ), Johannes Steinel (Kramer), Norbert Vogler (Betreuer und diesjähriger Fahrtleiter) und Bert von Zitzewitz (MAICO) Foto: Ulrike Schuffenhauer
Große Namen zurück auf der Strecke
Besonders spannend wird der Blick auf die Teilnehmerliste. Zahlreiche ehemalige Welt- und Europameister, Trophy-Sieger und Juniorenweltmeister treten in Zschopau noch einmal im sportlichen Wettbewerb gegeneinander an.
Im Mittelpunkt steht die deutsche Trophy-Mannschaft mit Uwe Weber, Bert von Zitzewitz und Johannes Steinel. Das Trio geht als Titelverteidiger an den Start. Weber fährt eine MZ ETS 350/G von 1975, Steinel eine Kramer ER 250 von 1978 und von Zitzewitz eine Maico 490 GS aus dem Jahr 1981.
Auch international ist das Feld prominent besetzt. Für Italien treten unter anderem Tullio Pellegrinelli und Giorgio Grasso an. Aus den USA kommt Fred Hoess, der erfolgreichste Einzelfahrer der bisherigen Vintage-Trophy-Geschichte. Dazu gesellen sich bekannte Namen wie der italienische Geländesportler Alessandro Gritti, der niederländische Trophy-Sieger Martin Schalkwijk sowie ehemalige erfolgreiche JAWA-Fahrer aus Tschechien.
Zschopau und der Geländesport – eine besondere Verbindung
Dass ausgerechnet Zschopau Gastgeber der zehnten Auflage ist, passt kaum besser. Die Geschichte der Stadt ist eng mit dem Motorrad- und Geländesport verbunden. Bereits 1928 ist die Teilnahme erster DKW-Motorräder an der Internationalen Sechstagefahrt belegt. 1935 gewannen Ewald Kluge, Arthur Geis und Walfried Winkler auf DKW die Silbervase.
Später folgte die große Ära von MZ. 1963 gelang der erste Trophy-Sieg, weitere Erfolge folgten 1964 bis 1967 sowie 1969 und 1987. Namen wie Werner Salevsky, Peter Uhlig, Harald Sturm, Jens Scheffler, Uwe Weber oder Andreas Cyffka sind bis heute eng mit dieser Geschichte verbunden.
Der Satz „In Zschopau trifft sich die Welt des Geländesportes“ hat deshalb eine lange Tradition – und bekommt Ende September eine ganz besondere Aktualität.

Fred Hoess (USA) mehrfacher Einzelsieger Foto: Thomas Fritzsch
Von der Six Days zur eigenen Vintage Trophy
Auch die FIM Enduro Vintage Trophy selbst blickt inzwischen auf eine interessante Geschichte zurück. 2016 führte der Motorradweltverband FIM im Rahmen der International Six Days Enduro erstmals eine eigene Wertung für klassische Motorräder ein. Damals wurden Strecke und Sonderprüfungen noch gemeinsam mit der modernen Six Days gefahren.
Mit steigenden Teilnehmerzahlen entwickelte sich das Format weiter. Seit 2021 wird die Vintage Trophy als eigenständige Veranstaltung ausgetragen. Schauplätze waren seitdem unter anderem Elba, Santiago do Cacém, Cerdanya, Camerino und Kielce.
Deutschland reist 2026 mit Rückenwind nach Zschopau: Bei der vorangegangenen Ausgabe in Polen holten Uwe Weber auf MZ, Bert von Zitzewitz auf Maico und Johannes Steinel auf Kramer die Trophy und treten nun vor heimischem Publikum als Titelverteidiger an.
Historische Motorräder im echten Wettbewerb
Für Fans klassischer Enduros dürfte allein ein Rundgang durch Fahrer- und Parc-Fermé-Bereiche einen Besuch wert sein. Mehr als 40 Motorradfabrikate aus vergangenen Jahrzehnten werden erwartet.
Die Nennlisten lesen sich entsprechend abwechslungsreich: MZ, Maico, Kramer, KTM, Husqvarna, Puch, Fantic, Jawa, SWM, Yamaha, Simson, Hercules, Can-Am, Bultaco, Montesa und zahlreiche weitere Marken sind vertreten. Dabei stehen die Maschinen nicht in einem Museum – sie müssen sich über mehrere Tage im Gelände und in den Sonderprüfungen bewähren. Die Silbervasen-Wertung allein umfasst 48 Mannschaften.

Harald Sturm (MZ) "der Altmeister wills nochmal wissen!" Er startet in der MZ Clubmannschaft mit den Jubiorenweltmeister Udo Grellmann Foto: Thomas Fritzsch
Rund 80 Kilometer – zweimal pro Fahrtag
Sportlich wartet auf die Fahrer ein anspruchsvolles Programm. Die Strecke führt über rund 80 Kilometer von Zschopau über Scharfenstein, Venusberg, Gelenau, Amtsberg, Gornau, Dittmannsdorf, Witzschdorf und Waldkirchen sowie über Börnichen und Krumhermersdorf zurück nach Zschopau. Die Runde ist zweimal zu absolvieren.
Am Donnerstag stehen Sonderprüfungen in Weißbach, Witzschdorf und am Skihang in Zschopau auf dem Programm. Am Freitag geht es unter anderem nach Venusberg und Wilischthal, ehe erneut der Skihang wartet. Das große Finale folgt am Samstag mit dem Abschlusscross auf dem bekannten Trainingsgelände des MC Mittleres Erzgebirge in Venusberg.
Start mitten in Zschopau
Auch für Zuschauer wird die Veranstaltung besonders interessant. Die technische Abnahme und das Parc Fermé befinden sich im Bereich von Schloss Wildeck, während der tägliche Start direkt auf dem Neumarkt in Zschopau erfolgt. Das Fahrerlager wird auf dem Gelände der Klädtke Metallverarbeitung GmbH in Hohndorf, dem ehemaligen MZ-Werk, eingerichtet. Das frühere Fahrerlager am Multizentrum dient während der Fahrtage als Servicezentrum.
Die offizielle Eröffnungsveranstaltung steigt am Dienstag, 29. September, um 18:30 Uhr auf dem Neumarkt. Am Mittwoch startet um 13:00 Uhr der erste Fahrer, am Donnerstag und Freitag jeweils um 8:00 Uhr. Am Samstag beginnt der letzte Fahrtag ebenfalls um 8:00 Uhr, bevor ab 10:00 Uhr das Abschlusscross in Venusberg ausgetragen wird. Um 19:00 Uhr bildet die Siegerehrung im Fahrerlager in Hohndorf den offiziellen Abschluss.

Titelverteidiger Bert von Zitzewitz (MAICO) . Neben Bert werden auch Dirk und Davide in "voller Familienstärke" dabei sein.
Motorsportgeschichte, die noch immer lebt
Die FIM Enduro Vintage Trophy ist weit mehr als ein Treffen alter Motorräder. Sie bringt Maschinen, Fahrer und Geschichten aus mehreren Jahrzehnten wieder zusammen – und verbindet sie mit echtem sportlichem Wettbewerb.
Kaum ein Austragungsort könnte dafür passender sein als Zschopau. DKW, MZ, große internationale Geländefahrten und eine über Generationen gewachsene Begeisterung für den Endurosport haben die Region geprägt. Ende September kehren nun Fahrer und Motorräder aus aller Welt dorthin zurück, wo Geländesport seit Jahrzehnten ein Stück gelebte Motorradkultur ist.
Vom 29. September bis 3. Oktober heißt es damit wieder: In Zschopau trifft sich die Welt des Geländesports.



