
Unweit der Deutschen Grenze fand die dritte Runde der aktuellen MXGP-WM im schweizerischen Frauenfeld statt. Der enge und steinige Kurs sorgte in Verbindung mit sehr viel Regen für eine Lotterie. Nicht nur physisch anspruchsvoll, sondern auch materiell wurde es interessant.
MX2 - Längenfelder erobert die WM-Führung zurück
Simon Längenfelder gewinnt den GP mit den Platzierungen eins und drei. Das Geburtstagskind vom Freitag machte sich damit selbst nachträglich das beste Geschenk.
Im ersten Lauf übernahm der 22-Jährige nach zwei Fehlern seiner Gegner routiniert die Spitze und kontrollierte das Rennen bis ins Ziel. Im zweiten Durchgang machten ihm die Überrundeten zu schaffen und mehr als Rang drei war trotz zwischenzeitlich besserer Sektorzeiten nicht möglich.
Auf Gesamtrang zwei folgte der Spanier Guillem Farrés. Der Triumph-Pilot setzte mit Rang vier im ersten Lauf bereits ein Zeichen, nachdem er zwischenzeitlich führte. Der Sieg im zweiten Lauf machte seinen starken Auftritt komplett.
Wenn es um nasse Bedingungen geht, ist mit Husqvarnas Liam Everts stets zu rechnen. Auf schwierigem Terrain sicherten ihm zwei dritte Plätze den verbleibenden Podestplatz.
Für Längenfelder war es nicht nur sein 11. GP-Sieg, sondern er holte sich auch das Red Plate des WM-Führenden zurück. Für Camden McLellan, Sieger der Vorwoche, verlief das Rennen unglücklich: Der Südafrikaner stürzte im zweiten Lauf und blieb ohne weitere Punkte.
SImon Längenfelder: "Es war insgesamt kein schlechtes Wochenende. Im ersten Rennen hatte ich etwas Glück mit einem Überrundeten, aber die waren das ganze Wochenende über ziemlich knifflig. Die Strecke selbst war nicht einfach, aber ich fühlte mich recht sicher und hatte Spaß. Wichtig war für mich, auf dem Motorrad zu bleiben, denn es gab viele Fehler und sogar Probleme mit abspringenden Ketten in den Spurrillen. Ich bin in jeder Runde ziemlich tief durch diesen Abschnitt gefahren, deshalb bin ich froh, dass alles geklappt hat. Es ist schön, wieder die rote Startnummer zu haben, es fühlt sich gut an, aber es ist noch früh in der Saison und wir haben noch viele GP vor uns."
Tom Vialle gelingt sein erster Grand Prix Sieg in der Königsklasse MXGP
MXGP - die Kette wird zum entscheidenden Bauteil
Die Königsklasse MXGP präsentiert sich 2026 ausgeglichener denn je. Frauenfeld war bereits das dritte Saisonrennen ohne klaren Favoriten. Stattdessen beeindrucken sich die Werkspiloten bei jedem Rennen gegenseitig neu und hochkompetitiv. Auch Multichampion Tim Gajser hat sich nach anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten inzwischen auf der Yamaha etabliert und gehört wieder zur Spitzengruppe.
In der Schweiz sorgte insbesondere eine Kurve für Probleme: In Kurve zwei verloren gleich drei Werksfahrer ihre Kette – Lucas Coenen, Jeffrey Herlings und Andrea Adamo; in der MX2 war auch Mattis Valin betroffen. Während Adamo das Rennen fortsetzen konnte, wurde Coenen wegen unerlaubter Hilfe disqualifiziert und Herlings gab frustriert auf. Diese Vorfälle mischten die Gesamtwertung deutlich durch und eröffnete die Chance für einen neuen GP-Sieger.
Der ging an schließlich an HRC-Pilot Tom Vialle mit den Platzierungen eins und sechs. Dahinter folgte das Yamaha-Duo mit Maxime Renaux auf Rang zwei und Tim Gajser auf Rang drei. Da sowohl Coenen als auch Herlings einmal punktlos blieben, konnte Coenen zwar seine WM-Führung verteidigen, aber die Spitze rückte nah zusammen.
Tom Vialle: "Ich hatte echt einen richtig schlechten Samstag. Nicht viele wissen es, aber mein Fuß ist zwischen Ritzel und Kette eingeklemmt worden, also musste ich anhalten und ihn befreien. Heute war alles ganz anders. Die Bedingungen waren beim Start hilfreich und im ersten Rennen führte ich von der ersten bis zur letzten Runde und fühlte mich super."
"Die Strecke war echt knifflig, aber wenn man vorne liegt, kann man sein eigenes Rennen fahren. Das zweite Rennen war schwieriger, ich hatte einen schlechten Start, bin gestürzt und musste mich auf den sechsten Platz arbeiten. Ich habe gar nicht mitbekommen, dass ich insgesamt geführt habe, aber es fühlt sich fantastisch an. Es war ein hartes Wochenende, deshalb ist es gut, so zurückzukommen."
Auch deutsche Fahrer waren in der MXGP vertreten: Cato Nickel, Tom Koch und Noah Ludwig zeigten solide Leistungen. Koch und Ludwig erreichten in den unterschiedlichen Läufen Rang 17 und sammelten jeweils vier WM-Punkte.
Und noch nebenbei
Während des GPs richtete Cheforganisator Willy Läderach einige Worte an die Zuschauer und bedankte sich für die Unterstützung. Dabei erwähnte er, dass in diesem Jahr etwa 5.000 zahlende Besucher zur Kostendeckung fehlten. Welche Auswirkungen dies auf die Zukunft des Events hat, bleibt abzuwarten, allerdings gibt es bereits Spekulationen über ein mögliches Aus.
Der GP in Frauenfeld bietet sowohl für Fahrer als auch für Fans besondere Rahmenbedingungen. Strecke und Fahrerlager liegen etwa 1,5 Kilometer auseinander, sodass die Fahrer durch Teile der Stadt und sogar durch eine Zuckerfabrik fahren müssen – ein einzigartiges Bild im Rennkalender.
Zudem zeichnet sich die Veranstaltung durch ein außergewöhnlich hohes Maß an Sauberkeit aus: Selbst während der Rennen sammelte Personal kontinuierlich Abfall auf und die sanitären Anlagen wurden mehrfach täglich gereinigt.
Ergebnis MXGP
Ergebnis MX2
Punktestand MXGP
Punktestand MX2



