
Uwe Weber, trotz, oder wegen des Handicaps der beste Deutsche Trophy-Pilot
Es war der dritte Fahrtag und so langsam zeigten einige der alten Motorräder und der alten Fahrer ihre Schwächen. Immerhin 48 Fahrer von Trophy und Silvervase kamen nicht ins Ziel. Nicht so das deutsche Trophy-Team, das überraschend gut durchgekommen war: „Der Test in Venusberg war neu und glatt, das war für mein altes Motorrad ideal,“ kommentierte Uwe Weber. „Dafür war die Prüfung am Skihang total ausgefahren, dass das Motorrad schon beim Beschleunigen auf der Geraden hin und her gehüpft ist.“ Nach 11 Sixdays und schon 7 Vintage-Trophys denkt der 64jährige dann schon mal ans Aufhören: „Als es anfing zu regnen und ich die Brille abnehmen musste und nix mehr gesehen habe, dachte ich, jetzt wird es wirklich Zeit. Ob es dann tatsächlich soweit kommen wird, muss die Zeit zeigen, denn direkt nach einem solchen Tag sind die Emotionen noch hoch.
Kein Probleme vermeldete Johannes Steinel, der in den absoluten Zeiten seinen Trophy-Kollegen Weber schlagen konnte. Während Bert von Zitzewitz sich ziemlich quälen musste: „Ich bekomme den linken Arm nicht hoch, und habe Schmerzen von Nacken den gesamten Rücken hinunter. Als ich nach einer Runde beim Service war, musste ich mich ziemlich zwingen, doch noch eine weitere Runde zu fahren. Aber ich will am Ende ja einfach ein Ergebnis mit der Trophy einfahren.“
Bei den Silbervasen-Teams fiel auch noch Rüdiger Bachmann ohne Zündfunken aus: Der SWM-Fahrer war der Zweitschnellste in der Vasen-Wertung. Wobei es alleine von Deutschland 16 verschiedene Silbervasen-Teams gab. Das ist darauf zurückzuführen, dass das ganz alte Reglement der Sixdays es jedem Land erlaubte, soviel Vasen-Teams zu nennen, wie es für nötig hielt. Kommentar des deutschen Teams zu der scheinbar inflationären Ausbreitung der Vasen-Teams: Wir haben eben so viele guten Fahrer.“

Bernhard Walzer, als KTM-Händler standesgemäß auf einer KTM unterwegs
Überraschend stark das Trophy-Team aus Österreich, bei dem man es geschafft hatte, endlich einmal tatsächlich die besten Fahrer auf die historischen Motorräder zu setzen. Aber historische Motorräder im Renntempo zu bewegen, bedeutete in diesem Fall auch die verschiedensten Schäden im Renntempo zu beheben: Schon am ersten Tag musste Bernhard Walzer seine Fußdichtung von Außen mehr oder weniger zukitten und abdichten. Tatsächlich hält das Provisorium irgendwie bis Ende des dritten Tages. Johan Kaiser kämpft mit einer defekten Gabel und quasi ohne Dämpfung, musste dann noch seine komplette Auspuffanlage wechseln. „Man darf ja hinten den Endschalldämpfer wechseln und neu abnehmen lassen. Bei der 75er Maico ist das ein einziges Bauteil, inclusive des Krümmers.“ Außerdem riß noch die Aufnahme des Kupplungszuges, was zusätzliche Zeit kostete. Trotzdem blieb er in der vorgeschriebenen Zeit.
Fast nicht mehr geschafft hätte es Christian Walzer: Der bekam nach dem Service sein Motorrad nicht mehr zum Laufen. Ihm war die Kubelwellengehäuseablaßschraube einfach runtergefallen und ohne Vorverdichtung wollte die Puch nicht mehr. In aller Eile wurde eine neue Schraube gekürzt und eingebaut und Walzer konnte rechtzeitig ins Ziel fahren.
Ganz so glimpflich lief es hingegen bei dem US-Trophy-Piloten Burn dann noch nicht – der schraubte nämlich seine 175er Can-Am erst hinter der Uhr fertig und fuhr dann zum Parc ferme. Das ging aber auch nur, weil zwischen dem Service am Altwerk und dem Parc ferme am Schloss noch einmal 10 Minuten für den Kilometer im Stadtverkehr gegeben waren.

US-Fahrer Terry Cunningham vom führenden Trophy-Team
Trotzdem weiterhin in Führung allerdings die Trophy aus den USA, vor den Österreichern und Italien. Deutschland verbessert sich auf den vierten Platz!
Bei den Silbervasen führt weiterhin Italien vor der 17. Deutschen Silbervase „Kramer Werxx“ mit Manuel Rüger, Andreas Mosert und Jens Oestreich.

Schnellster Fahrer aller Klassen war an diesem Tag Davide von Zitzewitz (Bild oben) mit seiner KTM aus den Clubmannschaften. Direkt vor Pascal Sadecki auf der Husqvarna und dem Holländer Lucas Dolfing. Gemeint sind diesmal in absoluten Zeiten ohne das zusätzliche Handicap.
Volles Haus gab es am Ende noch mitten in der Stadt: Nach dem Abliefern der Motorräder kam man direkt an der Pizzeria Napoli vorbei und für die meisten Fahrer und ihre Betreuer führte erst einmal der Weg dorthin und die Außenterasse wurde regelrecht belagert.
Fotos von dort gibt es nicht, weil der Autor dieser Zeilen seinem Knurren im Magen gefolgt war und sich lieber selbst eine Pizza dort geholt hat.
ERGEBNISSE – 3. FAHRTAG
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Gefühlt das halbe Fahrerlager ist mit deutschen Fahrern und Teams gefüllt: Und natürlich ist auch der Verein für Endurosport mit dem großen Betreuungscontainer vor Ort. Dort wurden vom Start weg her insgesamt 45 Fahrer betreut. Das schrumpfte bis zum Freitag abend ganz erheblich.

Der 3fache Deutsche Enduro-Meister (1996/97) Lubomir Vojkuvka aus der Tschechei setzte sich großartig in Szene und zählte (immer noch) auch mit der Jawa zu den Schnellsten im Feld




