
Historisch: Die Trophy und die Auszeichnungen der ISDE
Doch 2026 soll der Wettbewerb völlig ohne eine deutsche Nationalmannschaft stattfinden, weder eine Trophy, noch eine Junior-Trophy oder eine Damen-Trophy. Diese Überraschung kam bei der Veröffentlichung des Terminkalenders der Deutschen Enduro-Meisterschaft ans Licht: Der MSC Fränkische Schweiz veranstaltet am 18. Oktober seine Geländefahrt, was eine Überschneidung mit der ISDE zur Folge hatte. Aus verschiedenen regionalen Gründen konnte und wollte der MSC den Termin nicht verschieben und bestand andererseits auf das DEM-Prädikat.
Eine ähnliche Konstellation hatte es schon 2024 mit den 6DAYS (so die allerneueste, offizielle Schreibweise, die jetzt eine geschützte Marke ist) und dem DEM-Lauf in Zschopau gegeben. Damals aber war ein Streichergebnis für die DEM ausgegeben worden, weil ein WM-Lauf, als höheres Prädikat den Vorrang habe. Über die Vor- und Nachteile eines Streichergebnisses soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden, doch noch nicht einmal dieses Zugeständnis machte man den Fahrern, Helfern und Fans, sondern verweigerte diesen Lösungsansatz kategorisch: „Wenn wir keine Trophy, keine Junior-Trophy und keine Damen-Trophy nennen, dann nehmen wir nicht an der Weltmeisterschaft teil und dann brauchen wir kein Streichergebnis,“ war das Argument der Kooperationsgemeinschaft ADAC Enduro, die die Geschicke des deutschen Endurosportes lenkt. Man sei ohnehin nicht zufrieden mit den Ergebnissen der deutschen Nationalmannschaften in den letzten Jahren. Da sei es besser, erst einmal einen Kader zu bilden, aus dem sich die besten Fahrer für die zukünftige Nationalmannschaft herausziehen lassen würden.

Portugal 2026 wird ohne deutsche Fahrer gestartet!
Tatsache ist, dass die beiden besten deutschen Enduro-Fahrer, Luca Fischeder und Jeremy Sydow in den letzten Jahren nicht an den 6DAYS teilgenommen haben. Was aber auch keine Kadersichtung ändern kann, weil die Beiden als Profis ihn ihrem Vertrag keinen ISDE-Einsatz stehen haben und nicht einfach so mit einem anderen Motorrad an irgendeinem Wettbewerb teilnehmen dürfen, wenn es das Team so nicht vorsieht. Als Werksfahrer muss man eben mit Werksmaterial und Werksbetreuung unterwegs sein.
Doch das Fehlen dieser beiden Fahrer zog auch die Weigerung anderer Fahrer nach sich: „Wie sollen wir ein vernünftiges Ergebnis erreichen, wenn uns schon mal die zwei besten Fahrer nicht dabei sind,“ argumentierten die Top-Fahrer im Championat, die verständlicherweise höchsten Wert auf vorzeigbare Erfolge legen.
So war es in den vergangenen Jahren nicht die erste Garde, die Deutschland in der Welt vertreten hatte, sondern Fahrer, die die Mühe und Zeit auf sich genommen hatten: Schließlich sind es zwei Wochen zusätzlich, die man für einen 6DAYS-Einsatz einplanen muss. Und vielleicht noch ein zusätzliches Motorrad und Ausrüstung, wenn die Maschinen beispielsweise langwierig nach Argentinien oder Chile verschifft werden müssen.
Doch diese Fahrer hielten den olympischen Gedanken hoch – Unterstützt von einer (Container-)Crew die genauso begeistert ist und für den Endurosport lebt, wie die vielen Clubfahrer, die genau für diese Unterstützung auch noch viel Geld bezahlt haben. Doch selbst das wird von Deutscher Seite ausfallen!
Das ist umso bedauerlicher, weil gerade in diesem Jahr die Weltmeisterschaftstermine so liegen, dass die GP-Saison schon vorbei ist, wenn die ISDE startet und die GP-Fahrer ohne Verletzungsrisiko antreten können (Das Verletzungsrisiko besteht zwar trotzdem, würde aber die Platzierung in der WM nicht mehr beeinflussen). Dazu kommt, dass gleich vier Enduro-Fahrer hauptberuflich im Dienste Deutschlands stehen, nämlich in der Sportkompanie der Bundeswehr. Wenn es da offensichtlich keine dienstliche Verpflichtung gibt, der Nationalmannschaft zur Verfügung zu stehen, so würde der Großteil der Fans darin sicherlich eine mehr als nur moralische Verpflichtung sehen.

Der Container: Die Heimat der deutschen Fahrer bei den Sixdays
Der „Verein für Endurosport“, gegründet aus den Menschen, die den ISDE-Container ins Leben gerufen, aufgebaut und betreut haben, hatte bei den Fahrern wieder nachgefragt, wer denn an den 6DAYS 2026 in Portugal teilnehmen möchte: Dieser Verein sorgt dafür, dass nicht nur der Container vor Ort ist, sondern auch gefüllt mit all dem Werkzeug, Verbrauchsmaterial und der Verpflegung für den Aufenthalt ist. Der organisiert den Auf- und Abbau, die Betreuung und Verköstigung, besorgt den Sprit und das Kettenspray … Auch ohne eine Nationalmannschaft an Bord hätte man gerne mit allen Helfern den weiten Weg nach Portugal auf sich genommen. Doch es kam anders, denn weil es kein Streichergebnis in der DEM und dem Pokal gibt, sind nur wenige Fahrer bereit auf den Lauf in Streitberg zu verzichten (vielleicht auch aus dem Grund, dass die „Zuverlässigkeitsfahrt fränkische Schweiz“ auch zu den besonders schönen Geländefahrten in Deutschland zählt). Aufgrund der geringen Resonanz ist der Aufwand nicht zu rechtfertigen und diese Entscheidung hinterlässt eine tiefe Enttäuschung bei den aktiven Helfern.

nicht einmal deutsche Clubfahrer wird es 2026 bei der ISDE geben



