
Liam Everts und die Coenen-Zwillinge Sacha und Lucas gewinnen das 79. Motocross der Nationen. An einem packenden Rennnachmittag und vor einer einzigartigen Atmosphäre in Ernée (Frankreich) fällt die Entscheidung im letzten Wertungslauf. Obwohl Spanien die besseren Einzelresultate schreibt, geht die Chamberlain Trophy zum ersten Mal seit 2013 wieder an Belgien.
Das Nationencross gewinnt man vor allem auch mit Konstanz. In dieser Disziplin waren die Belgier die Besten. Als einzige Nation erreichte das Siegerteam fünf Top-10-Ergebnisse. Liam Everts (4-4), ein noch sichtlich angeschlagener Lucas Coenen (3-5) und Zwillingsbruder Sacha (7-12) hatten nach dem zweiten Rennen zusammen mit Spanien und den Niederlanden die beste Ausgangsposition.
Jorge Prado hatte davor den Lauf MXGP/MX2 nach einem Sturz hinter Laufsieger Romain Febvre beendet, Weltmeister Guillem Farres als bereits feststehender Sieger der MX2-Wertung hatte seine Aufgabe mit 4-5 herausragend gelöst. Am Ende fehlte EMX250-Champion Francisco Garcia auf dem 450er-Bike die nötige Top-10-Platzierung, um Spanien zum ersten Mal in der Geschichte des Events zum Sieger zu küren.
Prado (2-2) war stark, aber Jeffrey Herlings fuhr in einer eigenen Liga. Der MXGP-Weltmeister dominierte den MX2/Open-Lauf und ließ sich auch von einem Sturz im MXGP/Open-Finale nicht stoppen. Herlings baute das Fundament für den Podestrang der Niederländer. Hier war es MX Masters-Gesamtsieger Roan van de Moosdijk, dessen 14-18 Resultat das Team Oranje den möglichen Sieg kostete.
Das von den Belgiern frenetisch gefeierte Ergebnis nach hartem Kampf: 1. Belgien 23 Punkte, 2. Spanien 26, 3. Niederlande 34
Liam Everts: "Ich wusste, dass ich schnell sein kann, als ich direkt auf die 450er-Maschine umgestiegen bin. Die Strecke lag mir, und ich bin einfach richtig gut gefahren. Das Team hat mir vertraut und mich im dritten Rennen an der Innenseite starten lassen; dieses Vertrauen habe ich zurückgezahlt, bin gut weggekommen und konnte mit der Spitzengruppe mithalten. Gegen Ende, in den letzten drei Runden, war ich ziemlich am Ende meiner Kräfte. Ich hatte ehrlich gesagt gar keine Ahnung, dass wir auf Siegkurs lagen. Erst als ich die Leute an der Boxengasse sah, begriff ich, dass wir gewonnen hatten – einfach unglaublich."
Das Team Lettland profitierte von seiner Ausgeglichenheit auf Rang vier, die USA mussten einen Ausfall von Levi Kitchen verkraften. Dank Cooper Webb (6-6) schafften es die Amis in die Top 5, ganz knapp hinter den lettischen Reisulis-Brüdern und Pauls Jonass.
Die favorisierten Gastgeber mit Romain Febvre, Mathis Valin und Tom Vialle landeten abgeschlagen auf Rang 10. Valin und Vialle überstanden in ihrem jeweils ersten Rennen einen brutalen Sturz. Valin stürzte in einer Downhillsektion, Vialle crashte nach dem Holeshot in der ersten Runde. Beide hatten Glück, sich nicht schwer zu verletzen, aber Vialle musste in seinem zweiten Rennen früh aufgeben. Schließlich betrieb Febvre (1-3) bei seinem letzten Auftritt für Kawasaki Schadensbegrenzung. Titelverteidiger Australien wird Neunter.

Das Podium mit Spanien, Belgien und Niederlande (v.l.n.r.)
Team Germany
Das deutsche Team blieb vor einer Rekordkulisse von insgesamt 105.000 Fans hinter den Erwartungen zurück. Nach Platz 15 im letzten Jahr wurde es Rang 16 in der Nationenwertung - auch, weil sich Noah Ludwig im zweiten Lauf des Tages bei einem Sturz in der Startrunde eine Daumenverletzung zuzog. Tom Koch (14-19) und Valentin Kees (27-28) sorgten für die Einzelresultate.
Das Statement der Teamleitung: "Man hat wieder einmal gemerkt, dass das Nations seine eigenen Gesetze hat. Uns verfolgt anscheinend ein bisschen das Verletzungspech. Es ist natürlich mega schade, dass Noah sich nach seinem super Qualirennen heute an der Hand verletzt hat und keinen Lauf fahren konnte. Total verrückt, dass wir mit solchen Ergebnissen trotzdem noch auf Platz 16 landen. Ich würde mir für das kommende MXoN in Assen eine Veranstaltung ohne Pech wünschen", so Teammanager Marcel Dornhöfer.
Nationenwertung
1. Belgien 23 Punkte
2. Spanien 26
3. Niederlande 34
4. Lettland 52
5. USA 52
6. Italien 69
7. Großbritannien 82
8. Schweiz 82
9. Australien 87
10. Frankreich 90
16. Deutschland 127



